Mittwoch, 15. Juli 2009
ein Knigge fuer China
Better city, better life. Es gibt wohl mittlerweile keine Langnase in Shanghai, die noch nichts von diesem Slogan gehoert hat. Ja, in Shanghai wird man dieser Tage von diesen Buchstaben verfolgt. Better city, better life. Zu finden an ueberdimensionalen Plakaten an Bruecken, an Haeusern, auf jeder Zeitungsseite, 150 mal am Tag im TV. Es wird appelliert an: Chinesen, die im Schlafanzug einkaufen, an Chinesen, die bauchfrei herumlaufen, an Chinesen die auf die Strasse spucken, an Chinesen die Muell verlieren, an Chinesen die schubsen, an Chinesen die draengeln, an Chinesen, die ihren Platz im Bus nicht hergbeben, an Chinesen im allgemeinen. Schliesslich moechte man 2010 mit der Expo in Shanghai gefallen. Das geht sogar soweit, dass die Chinesen lernen sollen wie weltweit? zu beobachten ist: auf einer Rolltreppe rechts stehen, links gehen! Visualisert und pantomimisiert wurde das auf einer Rolltreppe in einem grossen Einkaufszentrum in Pudong. Da stand rechts ganz in Gold eine Frau und links daneben ganz in Silber setzte ein Mann zum Sprint an. Und der Lernerfolg? Tja, die Chinesen in Pudong staunten nicht schlecht. Mit Bewunderung wurde auch gleich mal ein Foto gemacht und versucht die zwei Gestalten kichernd zu imitieren. Ansonsten: bleibt alles wie gehabt. Nachbar Wang rauscht immer noch mit Vorliebe im Schlafanzug auf seinem E-bike in den Vormittag. Uns gefaellt das!


Wo ist er nur? Der Knigge. Hat er sich hier versteck?

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Montag, 13. Juli 2009
Was tun bei Stromausfall?
Ploetzliche Stille (gibt es fast nie in China). Kein Surren der Klimaanlage zu hoeren. Stockfinstere Dunkelheit. Haetten wir doch bloss Kerzen gekauft. Dann Schritte im Hausflur. Nachbarn tasten sich vorsichtig zum Sicherungskasten. Mit Taschenlampe bewaffnet. Fragende Gesichter. Am Sicherungskasten scheint es nicht zu liegen. Erstmal raus in den Innenhof.
Das Thermometer in der Wohnung steigt unerbittlich. Einen Faecher braeuchte man. Wir schwitzen. Bloss nicht zuviel bewegen. Es klopft an der Tuer. Oh, ein Englisch sprechender Chinese. Er laedt uns ein mit nach draussen zu kommen. Dort sei es kuehler, mehr Wind. Ok. Wo sind die Latschen?
Man wartet gemeinsam auf den Elektriker. Auf der Strasse wird chinesisches Schach gespielt. Alte Maenner in Unterhose lauschen unseren Gespraechen. Verstehen koennen sie nichts. Ist auf Englisch.
Warten. Reden. Schwitzen. Warten. Warten. Warten.
Das Licht geht an. Endlich. Die Klimaanlage surrt. Zum Glueck.
Morgen kaufen wir Kerzen. Und einen Faecher.

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I have a friend
Wie oft haben wir diesen Satz schon gehoert...meistens aus dem Mund von Dr. Ding.
Bald darauf finden wir uns im teuersten Restaurant der Stadt wieder. Der Freund moechte kennengelernt werden, und das am besten noch am gleichen Tag.
Einladungsverweigerer moegen Chinesen ueberhaupt nicht. Ihre ueberschwengliche Freude ueber das bevorstehende Mahl macht sowieso die haertesten chinesisch Essen-Verweigerer muerbe, egal ob mit oder ohne Diarrhoe, man muss mit und man isst mit.

Chinesen haben viele Freunde. Freunde, die mal in Deutschland studiert haben und Deutsch sprechen koennen, welche die besonders gut Englisch sprechen, weil sie mal in Amerika waren usw. Die sollen wir alle kennenlernen und kommunizieren was das Zeug haelt...wo wir doch kein chinesisch sprechen...und doch mal was reden sollen.

Dr. Ding hat auch Freunde all over China.
Es gibt keine Stadt auf dem chinesischen Kontinent, wo sich nicht ein alter Militaerkumpane, ein classmate aus Studienzeiten oder eine verflossene Geliebte auftreiben lassen.
Man wartet nur auf unsere Reiseplaene, damit Besuchstermine vereinbart werden koennen...denn Freunde sind auch als Touri-Guide super. Na dann los!

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Dienstag, 7. Juli 2009
Foot Massage
Foot=Fuss, davon hat man gewoehnlich zwei und die werden in China stark beansprucht. Entweder im Turnschuh verpackt (aus Gruenden der Bequemlichkeit), dann unwohlriechende Fluessigkeit absondernd oder luftig frisch in Sandaletten gebettet, wo sie enormen Strassendreck an sich binden.

Auch der gemeingefaehrliche Strassenkehrer schreckt vor nackten Fuessen nicht zurueck und streift sie gern einmal mit seinem dreckigen Besen. Wer weiss schon, wo der vorher ueberall gefegt hat.

Um der Fuesse Willen konnten wir deshalb eine Einladung zur chinesischen Foot-Massage nicht ablehnen. Ueberhaupt kann man/koennen wir den Chinesen nur schwer was ausschlagen.

Im Tempel der Fuesse begruessten uns zierliche Chinesinnen mit einem breitem Laecheln.
Dann ging es heiss zur Sache, die Fuesse wurden in hochtemperiertes zimtgewuerztes Wasser gesteckt, kein Lebensraum fuer stinkige Gerueche oder andere Dreckspezies.

Bei den Fuessen allein sollte es aber nicht bleiben.
Man hatte kein Mitleid mit uns...alle erdenklichen Koerperteile wurden durchgeknetet, massiert und beklopft, die Knie gefaltet, Beine hinter die Ohren geklemmt und Gelenken ihr voller Bewegungsspielraum gezeigt...so muss sich ein Blatt Papier waehrend des Origami-Aktes fuehlen bevor ein wunderschoener Kranich aus ihm entsteht.

Wunderschoen ging es uns danach nicht mehr, zersaust und uebel von der Bauchmassage (zuvor wurden wir natuerlich zum Essen eingeladen), fielen wir kopfueber auf den Ruecksitz eines azurblauen Touran, der uns nach Hause fuhr.

Die zierlichen chinesischen Masseurinnen waren wohl in einem frueheren Leben Kugelstosserinnen oder Erste im Schwergewicht, wer weiss, uns haben sie jedenfalls voll ausgeknockt. Es leben die Fuesse!

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